Notabstieg

Stellen Sie sich vor, Sie fliegen in bestem Wetter und ebensolcher Laune über Land. Sie sind etwa 6000 Fuß über Grund und urplötzlich riecht es verbrannt, und Sie sehen auch schon Flammen und Rauch aus dem Motorraum quellen.

Was tun? Natürlich so schnell wie möglich landen. Wiesen und Äcker gibt es genug, Sie haben die freie Auswahl.

Die Zeit drängt. Sie wissen: Die Sinkrate wird vergrößert durch Klappen, Slippen und Gewicht.

Wenn Sie Ihr Flugzeug auch nicht schwerer machen können, so können Sie doch durch Steilkurven die Flächenbelastung erhöhen. Also machen Sie einen Steilkurvenslip mit vollen Klappen:

  • Zunächst reduzieren Sie die Motorleistung oder stellen Sie den Motor ab, wenn Sie geeignete Landefelder unter sich haben. Der Motor entwickelt nämlich Wärme, und die können Sie im Moment nicht brauchen. (Also Gas zurück, Gemisch auf „Abstellen“, Brandhahn zu, Zündung aus).
  • Dann nehmen Sie kurz die Flugzeugnase hoch, bringen die Geschwindigkeit in den weißen Bereich der Fahrtanzeige und fahren die Klappen voll aus.
  • Jetzt gehen Sie in eine Schräglage von mindestens 45 Grad nach links ein.
  • Zum Abschluss treten Sie bis zum Anschlag ins rechte Seitenruder.

Das bringt eine Sinkrate, die den Vergleich mit einem fallenden Klavier nicht scheuen muss.

Fangen Sie beim Üben mit kleineren Schräglagen an und tasten Sie sich mit zunehmender Routine an größere Steilkurvenlagen heran. Bei 70° bis 80° Schräglage sind Sinkraten oberhalb 2000 Fuß pro Minute leicht möglich.
Aber Achtung: Halten sie die Geschwindigkeit in einem vernünftigen Bereich.
Bei 60° Schräglage ist bekanntlich die Überziehgeschwindigkeit 41% höher als im Geradeausflug. Sie sollten zur Sicherheit weitere 40% schneller fliegen, um nicht in den überzogenen Flugzustand zu geraten.
1,4 zum Quadrat ergibt etwa 2, darum ist die doppelte Überziehgeschwindigkeit für den Geradeausflug ein guter Anhaltswert für die Geschwindigkeit bei diesem Manöver. (Beginn des weißen Bogens im Fahrmesser x 2.) So haben Sie einerseits genügend Sicherheit vor dem Überziehen, sind aber andererseits genügend langsam, um den Klappenmechanismus nicht zu überlasten. Denn würden sich die Klappen auf nur einer Seite verbiegen, könnte das Flugverhalten Ihres Flugzeuges sehr problematisch werden.
Sollten Sie einmal zu schnell werden, behalten Sie den Zug am Höhensteuer bei und verringern einfach nur die Schräglage. So sinkt die Geschwindigkeit rapide – ohne zusätzliche Belastung des Flugzeuges.
Aber Sie sollten auch nicht zu langsam werden. Die Sinkrate wird geringer, jedoch kann bei zu geringer Fahrt das Höhenruder in die Luftwirbel des Rumpfes geraten, und damit wird das Flugzeug abrupt die Nase herunter nehmen. Bringen Sie in diesem Falle kurzzeitig alle Ruder in Normalposition. Das Flugzeug stabilisiert sich sofort wieder.
In großer Höhe ist das unproblematisch, in Bodennähe kann das gefährlich werden. Daher opfern Sie hier besser die hohe Sinkrate zugunsten einer guten Ausgangsposition für die bevorstehende Notlandung.
Verringern Sie die Schräglage, und sehen Sie zu, dass Sie in etwa einem Kilometer Entfernung zum Aufsetzpunkt noch etwa 1000 Fuß Höhe haben. Das erscheint zwar recht hoch, aber bedenken Sie, dass Sie die Landeklappen voll ausgefahren haben und daher der Anflug ungewöhnlich steil wird.
Sollten Sie allerdings deutlich zu hoch ankommen, können Sie durch Langsamfliegen ihren Anflug nochmals verkürzen. Als weitere Möglichkeit bleibt dann immer noch der Seitengleitflug.